Bei Rückenschmerzen wird die Ursache meist zuerst in verspannten oder überlasteten Muskeln vermutet, neuere Forschung zeigt aber, dass die Faszien mindestens genauso wichtig sind. Sie umhüllen Muskeln, Organe und Knochen, gelten mittlerweile als eigenständiges Sinnesorgan und tragen über zahlreiche Rezeptoren wesentlich zu Haltung und Koordination bei.
Wie stark stützt die Rückenfaszie wirklich?
In Modellrechnungen der kanadischen Forscher Ibrahim El Bojairami und Mark Driscoll trägt die große Rückenfaszie im unteren Rücken mindestens so viel zur passiven Stabilität bei wie die aktive Muskulatur selbst. Das könnte erklären, warum sich manche Rückenschmerzen, die in Röntgen oder MRT unauffällig bleiben, mit Reizungen im Fasziengewebe in Verbindung bringen lassen. Die Berechnungen stammen aus einem Modell, nicht aus einer Patientenstudie.
Ist Muskelkater eigentlich Faszienkater?
Manche Forschende verstehen den klassischen Muskelkater inzwischen eher als Faszienkater, ausgelöst durch feine Verdickungen im besonders schmerzempfindlichen Bindegewebe. Über fasziale Ketten können sich Beschwerden zudem an ganz anderen Stellen zeigen als dort, wo die Ursache liegt, wie es auch der Sportwissenschaftler Jan Wilke beschreibt, etwa Fußsohlenschmerz mit Ursprung im hinteren Oberschenkel.
Was folgt daraus für dein Training?
Regelmäßige, vielseitige Bewegung statt reinem Muskeltraining, mit dynamischen, federnden Bewegungen nach FASZIO®. Strategien wie Dehnfähigkeit, Elastizität und Geschmeidigkeit können die Faszie dabei unterstützen, ihre notwendige Scherverschieblichkeit zu behalten. Osteopathie kann begleitend Verklebungen und Verhärtungen im Gewebe angehen. Rückenschmerzen, die anhalten oder mit Taubheit, Kraftverlust oder Fieber einhergehen, gehören ärztlich abgeklärt.